Posted on Februar 24, 2011

2


Es war ein einsamer Tag, doch der Himmel leuchtete nur wie blauer Zirkon. Geritzte weiße Linien kreuz und quer erinnerten an Kanten eines geschliffenen Edelsteines. Es war ein einsamer Tag, doch er kam, auch heute. Denn er wurde erwartet, wie auch gestern. Er wünschte sich eine Veränderung im Äußeren des Tages. Doch manches war für die Ewigkeit bestimmt, so war es die Einsamkeit, die sich ihn ausgesucht hatte.

Bevor er die Tür hinter sich schloss, packte er schnell die Plastiktüte, mit Weizen gefüllt, in seine linke Jackentasche und schlüpfte in seine Sommersandalen. Er wechselte den Blick zu seinen Füßen, die in graue Pantoffeln eingepackt waren. Wer die Wahl hat, hat die Qual, sagte man. Doch durfte der, der auf die Wahl verzichten musste, auch auf die Qual verzichten?

Er blickte aus dem Fenster und kniff sich die Augen zu. Heute scheint die Sonne, dachte er.  Es war kalt, doch heute schien die Sonne. . Bei diesem Gedanke, fühlte er, wie sich seine Mundwinkel nach oben zogen. So schloss er schnell den Klettverschluss und zog die Tür hinter sich zu.

Graue Balken schnitten das Bild der Unendlichkeit ein, umso näher man kam, konnte man vor lauter Gebäude den Himmel nicht mehr sehen.

Menschentrauben hatten sich am Ufer versammelt. Wo immer Schwäne waren, wurden sie von Menschen für ihre Schönheit bewundert.

Für ihn waren Tauben genau so schön wie Schwäne es für den Rest der Menschen waren.

Zu den Ratten der Straße, wie viele sagten, empfand er so viel mehr als nur Ästhetik, die durch weißes vollkommenes Gefieder, und einen maßlos langen Hals gerechtfertigt wurde. Doch es war nicht so, dass ihn die ewige Treue, die sich diese zwei Vögel gaben, kalt ließen. Ein starkes Gefühl der Faszination hinterließ diese Lebensphilosophie der Tiere bei ihm. So etwas hatte er noch bei keinem Menschen beobachtet.

Doch zu den grauen Tauben empfand er eine innere untrennbare Verbundenheit, wie er sie für keinen Menschen und kein Tier empfand. Er liebte sie, denn in ihnen sah er sich selbst.

Sie waren am Rande der Gesellschaft, denen einst Araber Aufmerksamkeit schenkten, sie zu wertvollen Botschaftern ernannten. Mit der Zeit verloren sie an Wert. Sie wurden mit Menschen ersetzt, später mit Maschinen.

Am Ende hatte man genau eine Geste übrig: die einen nutzten die Hand, um Weizen auszuwerfen, die anderen, nutzen die Hand oder das Bein, um sie zu verscheuchen.

Bevor er sie verließ, streckte er seine Arme aus. Sie verstanden, dass er gehen musste, so wussten sie, was für sie zu tun war. Sie flogen weg, ins Weite und er genoß den Klang der Freiheit.

Advertisements
Posted in: Uncategorized